Marie von Schnehen (Hofgut Klein Schneen)

Marie von Schnehen (Hofgut Klein Schneen)

Marie-Sophie baut für GOOD CROP Quinoa und Lupinen im Friedland an.
Die junge Landwirtin Marie-Sophie hat vor einem Jahr den Hof Klein Schneen von ihren Eltern übernommen. Der idyllische Fachwerkhof liegt am Rande eines kleinen niedersächsischen Dorfes, das den gleichen Namen trägt. Seit 700 Jahren gibt es den Hof schon. In Betrieb genommen hat ihn allerdings erst der Vater von Marie-Sophie. Mit der Übergabe an die neue Generation kamen dann auch immer mehr neue Ideen. Marie-Sophie stellte mit Hilfe ihres Vaters den Ackerbaubetrieb vor zwei Jahren auf Bio um und sorgt für mehr Vielfalt unter den Kulturen. Neben den gängigen Kulturen baut sie jetzt Mohn, Lupinen, Quinoa, Kichererbsen, Buchweizen und Linsen an. Ihr Ziel: Die Vielfalt auf dem Betrieb wieder zu fördern und mit der Natur, nicht gegen sie zu arbeiten.


Hofgut Klein Schneen

Was hat dich dazu gebracht die Dinge auf deinem Betrieb anders zu machen?
Das war ein schleichender Prozess. Der Hof Klein Schneen ist ein echter Familienbetrieb. Ich arbeite mit meiner Mutter und meinem Vater Hand in Hand. Mein Vater hat damals schon angefangen neben den klassischen Sorten wie Weizen, Raps, Mais und Gerste auch Mohn anzubauen. Jedoch hat mir das noch nicht gereicht. Wir haben heute zwei große Herausforderungen: Den Klimawandel und die Biodiversitätskrise. Ich habe mich damals gefragt, was ich in meinem Umfeld dagegen tun kann. Meine Antwort fand ich direkt vor unsere Tür. Ich stellte also auf Bio um und fing an jedes Jahr neue Kulturen anzubauen. Die ständige Begrünung der Felder sorgt dafür, dass die Schmetterlinge, Bienen und andere Insekten sich stark vermehren. Und durch die vielseitigen Kulturen wird unser Betrieb resistenter klimatischen Veränderungen gegenüber.

Was möchtest du mit diesen Veränderungen erreichen?
Mit der Umstellung auf Bio mussten wir umdenken. Ein gesunder Boden erzeugt gesunde Pflanzen. Um den Boden gesund zu halten braucht es eine weite Fruchtfolge und Synergien. Lupinen zum Beispiel binden Stickstoff im Boden und sorgen somit für eine ideale Vorbereitung für den Anbau von Weizen. Das nennt man dann natürliche Düngung. Wenn wir Kulturen geschickt kombinieren, brauchen wir keine Chemie einzusetzen. Zusätzlich müssen wir uns an die klimatischen Veränderungen anpassen. Quinoa zum Beispiel kann mit weniger Wasser auskommen, als die Kulturen, die wir herkömmlich anbauen. Der Trend der Ernährung geht außerdem hin zu Lebensmitteln wie Kircherbsen, Lupinen und Linsen, als vor allem Fleischersatz. Diese Kulturen wollen wir regional anbauen, damit sie keine weiten Transportwege hinter sich bringen müssen.



Was ist euch bei der Vermarktung besonders wichtig?
Als Kind wollte ich immer wissen, wo das ganze Getreide hingeht. Das wurde damals in großen LKWs abgeholt und wir wussten nicht was damit passiert. Ich möchte allerdings wissen, wo meine Lebensmittel hingehen und ich will, dass am Ende ein gesundes Produkt auf dem Teller des Käufers landet. Deswegen bauen wir unseren Vertrieb um und suchen nach Partnern wie Good Crop. Wir haben auch angefangen selber Produkte direkt mit unserem eigenen Label zu vermarkten. Dazu gehören Mohnöl, Buchweizenmehl und Lupinenkaffee.

Was liebst du am meisten an deinem Job und wie sieht für dich die Zukunft der Landwirtschaft aus?
Die Pflanzen wachsen zu sehn. Ich wusste zum Beispiel nicht wie eine Kichererbse eigentlich aussieht. Es ist total spannend zu sehen, wie die unterschiedlichen Pflanzen in den Wachstumsphasen aussehen und welche Farbe ihre Blüten haben. Außerdem liebe ich die Nähe zur Natur. In meinem Beruf bekomme ich den Wechsel der Jahreszeiten ganz nah mit. Man riecht förmlich, wenn der Herbst kommt oder wenn der Weizen im Sommer erntereif ist.

Für die Landwirtschaft der Zukunft wünsche ich mir, dass weniger Boden versiegelt wird. Es sollte auf langfristige Ziele wie Klimaschutz und CO2 Bindung, anstatt auf kurzfristigen Profit hingearbeitet werden. Wenn man einmal etwas auf dem Boden falsch macht, dann dauert das Jahre bis sich die Natur erholt. Die Natur ist so mächtig, aber gleichzeitig auch sehr sensibel.



Was bedeutet für dich eine gesunde Ernährung?
In Eile und unter Zeitdruck essen wir oft nur Nebenbei. Wir sind es gar nicht mehr gewohnt, wie einzelne Komponenten einer Mahlzeit riechen und schmecken. Also wie schmeckt eine Linse, wenn man sie auf der Zunge hat. Für mich bedeutet Ernährung wieder zu dem Urprodukt zurück zu kommen und das natürliche wieder zu schmecken. Das schöne ist, dass Urprodukte jedes Jahr anders schmecken können. Je nach Wetter oder Zustand des Bodens.


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